Ausgedünnter Bahnverkehr ist Warnsignal für überlastete Bahnstrecke
Pro Bahn & Bus fordert viergleisigen Ausbau Friedberg-Gießen
Der Fahrgastverband Pro Bahn & Bus e.V. kritisiert die erheblichen Einschränkungen im Regionalverkehr auf der Main-Weser-Bahn zwischen Gießen und Friedberg. Vom 10. Juli bis zum 12. Dezember 2026 verkehrt die Regionalbahn RB 37 außerhalb der Hauptverkehrszeit nur noch im Zwei-Stunden-Takt. Für zahlreiche Fahrgäste bedeutet dies längere Reisezeiten und schlechtere Anschlüsse.
Während der Haltepunkt Ostheim durch zusätzliche Halte der RB 40 weiterhin an den Schienenverkehr angebunden bleibt, werden Großen Linden, Lang-Göns und Kirch-Göns zeitweise lediglich durch Schienenersatzverkehr mit Bussen bedient. Die Busse benötigen deutlich länger als die Bahn, lassen keine Fahrradmitnahme zu und verschlechtern die Attraktivität des Öffentlichen Verkehrs erheblich.
Personen- und Güterzüge kommen sich zwischen Friedberg und Gießen oft in die Quere. Hier wartet ein Güterzug im Bahnhof Lang-Göns auf die Überholung durch einen Regionalexpress. Bild: Jürgen Lerch
Grund für den Engpass ist die Generalsanierung der rechten Rheinstrecke. Zahlreiche Güterzüge müssen deshalb weiträumig über Kassel, Gießen und Trier umgeleitet werden und überlasten den ohnehin kritischen Abschnitt zwischen Gießen und Friedberg zusätzlich.
„Die Fahrplanausdünnungen sind die Folge einer Infrastruktur, die seit Jahren überlastet ist.“
Für Pro Bahn & Bus ist das der Beweis, dass die Strecke am Limit läuft. Jürgen Lerch, Vorstand von Pro Bahn & Bus, betont: „Die Fahrplanausdünnungen sind die Folge einer Infrastruktur, die seit Jahren überlastet ist und nicht dem Bedarf entsprechend ausgebaut wurde. Sobald zusätzlicher Güterverkehr auf die Strecke kommt, muss als Erstes der Nahverkehr zurückstecken. Das darf kein Dauerzustand werden“.
Infrastruktur als Flaschenhals der Verkehrswende
Der Fahrgastverband fordert daher erneut den viergleisigen Ausbau des Abschnitts. Ohne diese Maßnahme seien künftige Engpässe vorprogrammiert, da mehr Güterverkehr auf der Schiene politisch und klimatechnisch gewollt sei, dafür jedoch das Fundament fehle.
Das strukturelle Problem ist offensichtlich:
Südlich von Friedberg stehen heute zwei Gleise Richtung Frankfurt und zwei Richtung Hanau bereit.
Nördlich von Gießen führen jeweils zwei Gleise nach Kassel und Siegen.
Dazwischen – auf dem Abschnitt Gießen–Friedberg – muss sich der gesamte Verkehr zwei Nadelöhr-Gleise teilen.
Der geplante Bau zusätzlicher S-Bahn-Gleise bis Friedberg sowie der Ausbau der Strecke Hagen-Siegen-Wetzlar für Containerzüge werden den Druck auf diesen Flaschenhals in den kommenden Jahren sogar noch verschärfen. Weder der geplante Bahntunnel in Kleinlinden noch zusätzliche Überholgleise reichen laut Pro Bahn & Bus aus, um das Problem langfristig zu lösen.
Pro Bahn & Bus richtet einen dringenden Appell an die Bundes- und Landtagsabgeordneten sowie regionalen Entscheidungsträger, den bereits im Regionalplan verankerten Ausbau Friedberg – Gießen endlich umzusetzen. Zudem müssten alle dafür benötigten Flächen strikt freigehalten werden. Die aktuellen Ausfälle müssten als Weckruf verstanden werden – andernfalls blockiere man die Verkehrswende im mittelhessischen Schienennetz selbst.
Hintergrund
Die aktuellen Einschränkungen bis Dezember 2026 sind erst der Anfang. Durch anstehende Generalsanierungen weiterer wichtiger Strecken (wie Hanau–Fulda 2027/2028, Koblenz–Mainz 2028 und Bebra–Fulda 2032) drohen der Main-Weser-Bahn in den kommenden Jahren immer wieder massive Umleiterverkehre zu Lasten des regionalen Nahverkehrs.